Der EWF Herisau feiert

Adrenalin pur! Schon ein ganzes Jahrhundert.

jubi100 1Natürlich gab es auch ruhigere Jahre beim EWF Herisau. Aber der grösste Eisenbahner-Sportklub der Ostschweiz blickt auf eine bewegte Zeit zurück – im wahrsten Sinne des Wortes. Für die Mitglieder ist Sport in vielen Disziplinen möglich. Es ist aber auch immer wieder möglich sich ohne aktive sportliche Betätigung für den Sport einzusetzen.

Die Rahmenbedingungen dafür scheinen beim EWF Herisau zu stimmen. Auf jeden Fall finden die Mitglieder des Vorstandes oder ein Organisationskomitee für Sportanlässe immer wieder ausreichend Helferinnen und Helfer. „Ohne sie geht gar nichts", unterstreicht Vereinspräsident Andy Leonhardt. Ohne sie sei es schlicht nicht möglich, dass sich die aktiven Breitensportler und immer wieder auch die ambitionierten Sporttreibenden allein auf den Wettkampf konzentrieren können.

Sport wird unterschiedlich empfunden
Als Sport stufen vielleicht die einen schon den Muskelkater ein, den sie des vielen Lachens wegen eingefangen haben. Es sind weitgehend die gesellschaftlichen Aspekte neben dem Sport mit Bewegung, die den Zusammenhalt fördern: beisammen sitzen einfach so oder nach dem Training, diskutieren über Gott und die Welt, sich Dinge erzählen ebenso wie übertreiben bis sich die Balken biegen. Und eben viel Lachen gehört dazu.

Sport bedeutet für eine grosse Mehrheit, sich in einer bestimmten Disziplin oder mehreren einzusetzen, sei es gemeinsam in einem Team oder ganz auf sich allein gestellt. Da steht die Freude an der Bewegung, der Ausdauer oder der Technik im Vordergrund, aber auch der Genuss an der Anstrengung während und am Entspannen nach einem Einsatz.

Selbst für Sporttreibende, die an Wettkämpfen jeweils ans eigene Limit gehen wollen, hat es im SVSE und den meisten der angeschlossenen Sektionen Platz.

Wandern als Sportart?
Aber sicher doch! Der EWF Herisau steht zu seinem Namen, mehrere Modernisierungs-Vorstösse haben die Mitglieder abgewehrt: EWF steht etwas altbacken für „Eisenbahner Wander-Freunde", in Herisau haben ihn elf Pioniere am 18. September 1913 im Restaurant Harmonie gegründet, sie existieren heute noch. Den Betrachtenden wird aber rasch klar, dass nicht allein in der Ebene gewandert wurde sondern vor allem im Gebirge. Und dafür gab es doch den Schweizerischen Alpenclub (SAC). Er feierte 1913 bereits seinen fünfzigsten Geburtstag, war also richtig erwachsen und etabliert. Trotzdem hatten gerade diese Eisenbahner namhafte Gründe für ihren Alleingang: der SAC war vorwiegend an Wochenenden aktiv, insbesondere am Sonntag. Dann mussten jedoch die Eisenbahner sehr oft arbeiten. Die Freizeit der Bähnler war auf die übrigen Wochentage verteilt, damals vorab für Wanderungen im Gebirge. Mit der Klub-Gründung entstand demnach auch gewollt eine Konkurrenz zum SAC. Es blieb aber beim friedliebenden Nebeneinander zwischen Natur- und Bergmenschen. Viel mehr noch: 1960 baute der SAC die Hundsteinhütte und erster Hüttenchef wurde Hans Sommerhalder, vormals EWF-Präsident. Von Konkurrenz also keine Spur mehr.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges
Die Liebe zum Frieden wurde bald arg auf die Probe gestellt, brach doch schon knapp ein Jahr nach Gründung in unmittelbarer Nachbarschaft der Erste Weltkrieg aus. Die Ohnmacht in dieser grausamen Zeit und gleichzeitig die Hoffnung der Leute schlug sich in den Jahresberichten während den Kriegsjahren nieder, so beispiels-weise im Jahr 1914. Zitat: „Hat uns doch nach kaum einjährigem Bestehen der wahnsinnige Krieg überrascht und seine schädigende Wirkung auch bei uns geltend gemacht. Wenn wir Schweizer bis jetzt von diesem Krieg verschont geblieben sind, so fühlen wir doch nachgerade mit unverhüllter Deutlichkeit nicht zuletzt, dass der Gürtel eng angezogen wird. Gering sind noch die Hoffnungen auf bessere Zeiten, doch dürfen wir sie nicht ganz verlieren."

Die Aktivitäten des neuen Vereins wurden im Krieg stark eingeschränkt, weil die Eisenbahner unbedingt vor Ort bleiben mussten. Vorerst wurden auch sämtliche Rast- und Ferientage sistiert, das gemeinsame Wandern dadurch fast völlig unmöglich. Entsprechend stark schlug die Erleichterung in den Jahresberichten nach Kriegsende zu Buche. Das Aufatmen war nicht nur in den Reihen des Vorstandes spürbar. Andy Leonhardt hat die Mitgliederentwicklung analysiert: „Nach den Kriegen ist die Mitgliederzahl jeweils markant angestiegen. Ab 1918 auf über einhundert und nach dem Zweiten Weltkrieg auf weit mehr als 300." Später stieg die Zahl kontinuierlich auf über 500, 1999 sogar über 600 Mitglieder an. Natürlich sind längst nicht alle sportlich engagiert sondern viel eher eigentliche Gönner, viele Ältere sind „Mitglieder auf Lebzeiten".

Der EWF Herisau misst seit jeher dem Breitensport ein grosses Gewicht bei. Es sollen alle etwas davon haben – wenn sie das wollen. Andy Leonhardt stuft das Wandern, die Berg- und die Skitouren als schönste Sportarten ein, weil sie draussen in der Natur stattfinden und es dabei nicht darum geht, sich mit anderen zu messen. Wiederum bezieht er sich auf die Jahresberichte und ebenso auf die Tourenbücher, in denen die Schönheiten der Bergwelt immer wieder in den höchsten Tönen gelobt werden. Das war damals so und ist es auch heute noch. Solche Eindrücke und allfällige Geschehnisse hatte der Tourenleiter für jede Wanderung festzuhalten. Aber es war lange die Aufgabe des Aktuars, diese Texte ebenfalls handschriftlich ins Tourenbuch zu übertragen.

100-jährig und kein Bisschen müde
Dieses Jahr feiert der Ostschweizer Sportklub also. Und wie!: Bald nach dem Startschuss anlässlich der 99. Hauptversammlung wurde noch im Dezember 2012 ein Nostalgie-Skirennen durchgeführt.


EWF Herisau - Nostalgie-Skitag 15.12.2012 ( 2 ) Kopie

Die strahlenden Sieger des Nostalgie-Skirennens (v.l.n.r.): Sepp Ullmann, Werner Huber, Walter Schmid, Andy Leonhardt

Das Treberwurstessen - organisiert hat es Ehrenpräsident Ernst Egli - wurde gleich dreimal durchgeführt. Es reisten insgesamt 87 Mitglieder nach Twann am Bielersee. Am diesjährigen Klub-Skirennen, das traditionell zusammen mit den ESC Winterthur und St. Gallen durchgeführt wird, standen 72 Sportlerinnen und Sportler am Start, die unverzichtbaren Helferinnen und Helfer sind dabei nicht mitgezählt. Für das 100 Stunden-Jassturnier wurde die Sollzeit im März längst überschritten. Es wird aber übers Jahr wacker und mit Freude weiter gejasst. Auf August wird ein Plauschschiessen mit Kleinkalibergewehren und Bogenschiessen organisiert. Ende Juni findet die 100 Kilometer-Tour statt. Sie führt – verteilt auf drei Tage – von Herisau über den Säntis auf den Chäserrugg im Toggenburg. Teilnehmende von SVSE und Partnersektionen sind dabei herzlich eingeladen. Ein weiterer sportlicher Höhepunkt im wahrsten Sinn des Wortes wird die Route auf den Mont Blanc, mit 4'810 Metern über Meer der höchste Gipfel der Alpen, sein.

Und so weiter. Für jeden und jede sind also ein bis zwei Anlässe dabei. Von ganz cool bis zur Adrenalin-Ausschüttung pur.

Begeisterung allseits
Wie kommen die Leute des EWF Herisau überhaupt auf die Idee, 2013 total 82 Veranstaltungen durchzuführen, 24 allein unter dem Titel Jubiläum? „Bei diesem riesigen Mitmachangebot braucht es viele Leute die mithelfen und unterstützen. Es reicht nicht, sich auf die Kolleginnen und Kollegen im Vorstand verlassen zu können. Unsere Begeisterung für den Sport steckt ganz offensichtlich an, es stehen jedenfalls auch dieses Jahr ausreichend Helferinnen und Helfer bereit. So macht diese Aufgabe erst richtig Freude."

SVSE-Volleyball 2012 18 Alle SpielerInnen und HelferInnen

2012 organisierte der EWF Herisau die 16. SVSE-Volleyballmeisterschaften in Lichtensteig. Spielende und Helfende mögen nach getaner Arbeit gerne feiern.

Andy Leonhardt ist sichtlich stolz auf seine Teams. Er ist überzeugt, dass so auch neue Mitglieder gewonnen werden können.

Und nach dem Jubiläum?
Jetzt setzen sich also alle voll für eine gute Sache ein, die Leute sind dazu bereit. „Bestimmt wird es im nächsten Jahr wieder ruhiger", sagt Andy Leonhardt und fügt verschmitzt an: „Still wird es um den EWF Herisau aber sicher nicht." Da warten offensichtlich neue Projekte auf deren Realisierung. Die Zukunft scheint gesichert und das ist gut so.

Nick Raduner, Leiter Kommunikation

Bio:
EWF Herisau, 100-jährig, gegründet demnach 1913, im Restaurant Harmonie zu Herisau. Sportarten aktuell: Bergsport im Sommer und Winter, Schneesport in den Disziplinen Alpin und Langlauf, Radsport, Schiesssport 300 Meter und Kleinkaliber, Volleyball, Orientierungslaufen und - ausserhalb des SVSE - Curling. Mitgliederzahlen: 1913 waren es 11, 1999 total 612, Ende 2012 waren es 539. Aus Anlass des Jubiläums finden 24 Sportanlässe statt, 58 weitere Veranstaltungen gehören ins normale Repertoire. Am 3. November wird das Jubiläumsjahr mit der Hauptversammlung im Casino Herisau abgeschlossen.
Weitere Infos im Internet: www.ewf-herisau.ch

 

Andreas (Andy) Leonhardt-Meier ist 44-jährig und arbeitet zu 80 Prozent bei der SBB im Fernverkehr, organisiert dort Charter- und Zusatzverkehre. Verheiratet mit Katja haben sie drei Kinder: Tochter Anik (15), dazwischen Sohn Demian (12) und Tochter Mara (10), sie wohnen in Rapperswil-Jona SG. Als Eisenbahnersohn hat ihn sein Vater Hansruedi Meier, EWF-Aktuar zwischen 1979 und 1996, oft auf Touren mitgenommen. So muss der Funke übergesprungen sein. Nach 20 Jahren als Redaktor der Mitgliederzeitung wurde er 2011 nach Walter Schmid zum zehnten Vereins-Präsidenten gewählt. Sportlich aktiv ist Andy vorab im Bergsport, als Orientierungsläufer und im Volleyball.

Ra

 

 

 

Sponsoren

Go to top