Interview mit Luzius Manz

Der SVSE-Generalsekretär hat sehr viel bewegt,
kürzlich trat er zurück

img 4318Mit dem Rücktritt aus der Geschäftsleitung hat Luzius Manz seine erfolgreiche 35-jährige Karriere im SVSE beendet. Im Interview blicken wir noch einmal zurück, werden nachdenklich und schauen in die Zukunft.

Redaktion: Wie hast du dich auf das Leben nach dem SVSE eingestellt?
Luzius Manz: Das ist mir nicht so schwer gefallen, weil ein gutes Stück Arbeit weggefallen ist, gleichzeitig habe ich aber viele Freiheiten gewonnen.

Du hast deine Funktion als SVSE-Generalsekretär mit grösster Umsicht und viel Engagement wahrgenommen. Was fehlt dir heute davon?
Ich merke, dass ich viel weniger informiert bin über das Geschehen im SVSE. Als Mitglied der Geschäftsleitung war ich mitten im Zentrum. Heute stehe ich ausserhalb und höre nicht mehr viel, was in unserem Sportverband geht.

Was fehlt dir denn konkret?
Informationen, wie sich die Geschäfte entwickeln, beispielsweise wie die Weiterentwicklung der Mitgliederdatenbank läuft. Dieser Informationsfluss funktioniert heute nicht mehr. Für mich geht es aber auch ohne, das ist eben der Unterschied zu früher.

Drehen wir das Rad der Zeit zurück: war es der Handball, der dich zum SVSE gebracht hat, oder war es der SVSE, der dir die Möglichkeit zum Handball spielen geboten hat?
Ganz klar war es die Sportart Handball. Damit habe ich beim Sportclub der Eisenbahner Bern (SEB) begonnen. Bald schon konnte ich mit der Nationalmannschaft trainieren und an verschiedenen USIC-Meisterschaften als Aktiver mitmachen, so in Bulgarien, in der Tschechei und in der DDR.

Wann war das?
Bald nach meinem Umzug nach Bern, das war 1971. Zuerst für den SEB und bereits 1972, ein Jahr später also, habe ich in der Nationalmannschaft gespielt – bis 1981.

1981 wurdest du durch die Delegiertenversammlung SVSE als Mitglied der Technischen Kommission Handball gewählt? Du warst damals 34-jährig. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
Probleme mit meinen Knochen zwangen mich den Wettkampfsport aufzugeben. Zur Administration hat mich der damalige Präsident und heutige Ehrenpräsident Werner Dittli gezogen, was eher einer Berufung gleichkam als einer Bewerbung meinerseits.

Und ausgerechnet du hast den Handball im SVSE 2015 beerdigen helfen. Welche Gründe haben dazu geführt?
Der Handball hat sich auf nationaler und internationaler Ebene völlig auf den Spitzensport konzentriert. Deswegen ist der Breitensport, wie er auch in der Schule gelebt wurde, völlig weggebrochen. Anstelle des Handballsports wird heute in den Schulen Volleyball oder Unihockey gespielt. Deswegen hat sich die Bewegung Handball auch im SVSE ausgespielt.

Der SVSE bietet aktuell 17 Sportarten an. Gab es anderen Sport, den du regelmässig gelebt hast?
Als Leichtathlet habe ich mich noch engagiert, das war aber noch vor dem Handball. Später wurde ich im Skisport aktiv, da allerdings ausschliesslich administrativ.

Fussball: schlägt dein Herz für dich als Rheintaler für den FC St. Gallen, obwohl du länger im Bernbiet wohnst als in der Ostschweiz. Oder hat dich dein Verstand zu YB geführt?
Ich war nie wirklich Fan des FCSG. Den Fussball habe ich damals gar nicht wirklich wahrgenommen, weil ich als Eisenbahner schon früh, das war 1967, weg vom Rheintal gegangen bin. Die Young Boys machten mich dann eher auf den Fussball aufmerksam, YB ist also eher „mein“ Club.

IMG 4316Du hast erwähnt, dass du dich jahrzehntelang im administrativen Bereich für die SVSE Schweizer Meisterschaften Wintersport engagiert hast. Warst du dennoch auch mal als Sportler auf schmalen und/oder breiten Latten dabei?
Ein einziges Mal war ich in Engelberg auf den Langlaufskis. Damals gehörte ich der Staffel an, die der damalige SVSE-Zentralvorstand gestellt hat. Diese Staffel war nicht sehr erfolgreich, wurde doch sowohl der Start wie auch das Ziel schon weggeräumt, bevor ich auf die Strecke geschickt wurde. Es war also nur ein Plauscheinsatz. Ski gefahren bin ich daneben schon aber nie rennmässig und damit auch nicht für den SVSE.

Die SVSE-Administration und Luzius Manz, das gehört fast Jahrzehnten unzertrennlich zusammen. In verschiedenen Funktionen (siehe Kasten) hast du mitgewirkt und so den SVSE als Dachverband von fast 60 Sportsektionen laufend modernisiert. Was bleibt dir dabei besonders in Erinnerung?
Für mich als Informatiker war die allgemeine Überführung von der analogen in die digitale Welt des SVSE sehr markant. Das war ein enormer Entwicklungsschritt. Dazu gehörte insbesondere der Übergang von den handschriftlich notierten Laufzeiten und der errechneten Kombinationspunkte in die digitale Rennauswertung im Wintersport und in anderen Sportarten. Die Umstellung auf die Mitgliederdatenbank stellte für den SVSE und für mich ebenfalls einen Quantensprung dar.

Und wie siehst du die Weiterentwicklung des SVSE?
Die Entwicklung unseres Sportverbandes konnte ich über lange Jahre miterleben und mitgestalten. Heute sieht man, dass nicht nur aussterbende sondern auch absolut aktuelle Sportarten vom Mitgliederschwund betroffen sind. Es gibt offensichtlich kein vernünftiges Rezept um diesen Trend zu durchbrechen. Die jungen Leute interessieren sich wenig für das sportliche Angebot des SVSE. Da muss man grundsätzlich überlegen, was ist in Zukunft der Auftrag des SVSE. Solche Gedanken haben wir schon im Rahmen des Projekts „Zukunft des SVSE“ angestellt. Wenn wir den SVSE erhalten wollen, kommt dies mehr dem Erhalt von Bestehendem gleich als dem Aufbau neuer Strukturen. Es geht für also um ganz grundsätzliche Dinge.

Zum Projekt „Zukunft des SVSE“: sind solch einschneidende Lösungen diskutiert worden?
Am Projekt, das durch Romeo Koch geleitet wurde, haben sich viele Exponenten beteiligt. Es wurden zahlreiche Ideen diskutiert. Ich selber habe hauptsächlich auf Punkte hingewiesen, die meiner Meinung nach immer gut beobachtet werden müssen. Irgendwann stellt sich aber für mich die Frage, ob der SVSE weiterbestehen kann oder ob wir schweren Herzens sagen müssen, dass wir am Ende der Geschichte angekommen sind. Das tönt krass, die Antwort dazu muss aber einmal gegeben werden. Dabei werde ich nicht mehr mitwirken.

IMG 4323Und jetzt? Wie geht dein Leben weiter ohne SVSE-Exponent zu sein?
Mein Leben spielt zu noch zu 50 Prozent in der Schweiz ab, die andere Hälfte lebe ich in einer wärmeren Gegend. Dort werde ich mich wohl eher mit handwerklicher Arbeit auseinandersetzen – und auch mit dem dolce far niente. Letzteres kann ich aber an beiden Orten tun.

 

Im Namen der Geschäftsleitung SVSE danke ich dir ganz herzlich für dein schier uneingeschränktes Engagement. Vielen Dank natürlich auch für dieses Interview.

Interview und Fotos: Nick Raduner, Leiter Kommunikation 

 

Luzius Manz und seine Engagements für den SVSE

Funktionen im SVSE
1981–1991 Mitglied der Technischen Kommission Handball
1992–2000 Vizepräsident
1993–2004 Redaktor sport-info (Mitteilungsblatt des SVSE)
2012 Leiter Kommunikation ad interim
2012–2016 Generalsekretär
Aktivitäten
1992 OK-Mitglied USIC-Meisterschaften Schiessen (Thun) 
1984–2010  Kassier und Rennauswertung an den Skimeisterschaften
1990 Einführung des Rennauswertungsprogramms Rap und RAPD
1994 OK-Mitglied USIC-Meisterschaften Ski Alpin und Langlauf (Leukerbad)
1999 OK-Mitglied USIC-Meisterschaften Rad (Murten)
2006 OK-Mitglied USIC-Meisterschaften Schiessen (Zürich)
2007 OK-Präsident und Projektleiter des 24-Stunden-Schiessens zum
75-Jahr-Jubiläum des SVSE (Lungern)
2007–2010 Einführung der Mitgliederdatenbank SVSE
2011 Aufbau des SVSE-Newsletter und Herausgabe der Null-Nummer
2014–2016 SBBaktiv: Verbindung zwischen SBB- und SVSE-Events aufgebaut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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