Thomas Meier, Präsident SVSE – ab sofort!

«Ich will Mitgliederwerbung und Sport-Strukturen prioritär angehen»

Thomas MeierDie Delegierten haben am 24. November entschieden: Thomas Meier soll ihren Schweizerischen Sportverband öffentlicher Verkehr (SVSE) in Zukunft leiten. Der langjährige SVSE-Generalsekretär hat jetzt diesen Schritt gewagt und stellt sich den Herausforderungen. Im Interview erzählt er wieso.

Redaktion: Frisch gewählt, herzliche Gratulation! Nichts Besonderes für dich, hast du den Verband doch faktisch schon seit Juli geführt. Oder doch neu?
Thomas Meier: Es ist auf jeden Fall neu. Nach dem Rücktritt von Alberto Petrillo konnte ich auf die tatkräftige Unterstützung meiner Kollegen der Geschäftsleitung zählen, die anstehenden Aufgaben wurden aufgeteilt. Ab jetzt werde ich die präsidialen Aufgaben definitiv übernehmen, darf aber diejenigen des Generalsekretärs weiter geben.

Familie mit zwei kleinen Kindern, Engagement im Beruf und SVSE-Präsident. Wie bringst du das alles unter einen Hut?
Das bedingt vorerst ein gutes Organisationsgeschick. Dann braucht es aber hauptsächlich das Verständnis der Familie, respektive vorab meiner Frau, mit der ich vor meinem Entscheid intensiv diskutiert habe. Durch meine zehnjährige Erfahrung in der Geschäftsleitung kann ich den zeitlichen Aufwand gut einschätzen.

Und was sagen deine Vorgesetzten der Südostbahn dazu?
Ich darf mit ihrer Unterstützung rechnen. Dafür danke ich der Südostbahn recht herzlich. Unkomplizierte Unterstützung erhalten auch unsere Sportler.

Neuer Präsident - neue Ziele. Verrätst du uns deine Stossrichtung?
Die heutige Delegiertenversammlung hat gleich mehrere GL-Funktionen neu besetzt. Ich bin froh, dass wir jetzt wieder fast komplett sind. Im Sportbereich sind die beiden zurücktretenden Sportchefs gezielt nicht ersetzt worden. Stattdessen haben wir bereits eine Arbeitsgruppe - bestehend aus Leitern der Sportarten und GL-Mitgliedern - eingesetzt. Definiertes Ziel ist es, den Delegierten in einem Jahr gute und nachhaltige Lösungen in diesem Bereich zum Entscheid vorzulegen.
Ein weiteres wichtiges Thema wird die Mitgliedergewinnung. Wir wollen neue und auch junge Mitglieder fürs Sport treiben in unseren Reihen begeistern können. Dazu gehört aber auch, dass sich die Mitglieder im SVSE gut aufgehoben fühlen.

Was willst du als erstes anpacken?

Die Zukunft des Sportverbands sind unsere Mitglieder. Für die eigentliche Mitgliederwerbung sind wir massgeblich auf die Unterstützung der Sektionen angewiesen. Wenn wir gute Strukturen im Sportbereich anbieten, die praktisch auch funktionieren, ebnen wir den Weg dazu. Demnach will ich beides - Mitgliederwerbung und Sport-Strukturen - prioritär angehen.

Die Arbeitsgruppe hat bereits getagt. Gibt es erste Resultate?
Es sind verschiedene Ideen und Gedanken zusammengetragen worden. Die Spannweite ist noch sehr breit: Vom völligen Verzicht auf Sportchefs und Verteilen der Aufgaben auf die Leiter Technische Kommissionen (TK) bis hin zum Einbezug sämtlicher 18 Leiter TK direkt in die GL.

... und wie sieht der Fahrplan dafür aus?
Jetzt gilt es, die beste Lösung auszuarbeiten. So ist es uns ein grosses Anliegen, die Resultate der Arbeitsgruppe im Verlauf dieses Prozesses wiederholt mit den Exponenten zu diskutieren. Damit verbunden ist auch eine Statutenrevision vorzubereiten. Wie gesagt, es sind die Delegierten, die in einem Jahr aufgrund klarer Vorlagen entscheiden werden.

Vereine und Verbände sind „out", Individualismus ist „in". Was haben die Sportlerinnen und Sportler vom SVSE als Dachverband?
Mit guten Strukturen bieten wir den Rahmen und übernehmen all die organisatorischen Dinge, damit sich die Sporttreibenden unkompliziert an Wettkämpfen messen können. Das gilt nicht nur für den Spitzenathleten sondern ebenso für diejenigen, die den olympischen Gedanken - mitmachen ist wichtiger als siegen - pflegen. Dazu gehört unbedingt auch das gesellige Element. Im SVSE wird diesem Aspekt und dem Austausch unter Berufskollegen viel Beachtung geschenkt.

Wie profitieren die 49 Sektionen vom Dachverband?
Sie profitieren im SVSE von einem gesamtschweizerischen System, und das in allen 18 Sportarten.

Die Romandie und das Tessin verabschieden sich zunehmend aus dem SVSE. Was gedenkst du dagegen zu tun?
Diese Aussage kann ich nicht unterschreiben. Gewisse Sportarten wie beispielsweise Pétanque oder Basketball werden vorwiegend in der lateinischen Schweiz betrieben, andere eher in der Deutschschweiz. Viel mehr lebt der Verband von solchen Unterschieden. Dass diese Aussage nicht stimmt, belegt auch die Statistik, denn weder die Anzahl Sektionen noch die Mitgliederzahlen sinken.

Hast du Wünsche an die Sektionen und Mitglieder?
Für eine möglichst positive Entwicklung des SVSE braucht es ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten. Ich wünsche mir insbesondere einen gegenseitigen ehrlichen und offenen Umgang. Wenn wir uns alle gegen den Trend hin zum Individualismus einsetzen und die Gemeinsamkeiten fördern ist allen gedient.

Vielen Dank! Nun noch ein paar Stichworte. Was fällt dir spontan und kurz dazu ein?

FC St. Gallen:
Sehr positiv in dieser Saison.

Roger Federer:
Er hat das beste Jahr seit ungefähr fünf, sechs Jahren gehabt. Er vertritt die Schweiz sehr gut in der ganzen Welt.

Lance Armstrong:
Ich bedaure was jetzt geschehen ist. Ich kenne die Hindergründe zu wenig, kann nicht einordnen, was wahr ist und was nicht. Jetzt noch einmal alles aufzuwirbeln finde ich nicht gut.

Thabo Sefolosha:
Ein NBA-Basketballspieler, ein Romand, meines Wissens der erste Schweizer, mit Wurzeln in der Romandie.

Fifa und Sepp Blatter:
Es wird viel über den Walliser gesagt und geschrieben. Er hat auf jeden Fall viel für den Fussball gemacht, speziell in Asien und Afrika.

Hundwil:
Mein Heimatort, mein zukünftiger Wohnort und ehemaliger Landsgemeindeort. Und der Säntis liegt auf Hundwiler Boden.

Interview und Foto: Nick Raduner

Bio:
Thomas Meier, 32-jährig, verheiratet mit Helena, Vater von zwei kleinen Söhnen, lebt ab Januar 2013 in Hundwil AR. Thomas arbeitet bei der SOB: Lehre als Betriebsdisponent, Einsatz in verschiedenen Bahnhöfen, zuletzt in der Disposition der Betriebszentrale Herisau. 2012 den dipl. Manager öffentlicher Verkehr erfolgreich abgeschlossen. Seit 2010 arbeitet Thomas als Angebotsplaner in St. Gallen. Mit der Sportart Unihockey ist er 1999 dem ESC St. Gallen beigetreten. Seit 2002 war er SVSE-Generalsekretär und damit verbunden auch Stellvertreter des Präsidenten. Am 24. November 2012 haben ihn die Delegierten zum SVSE-Präsidenten gewählt.

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